Likör & Wein
Porto flip
Porto FlipDer Porto Flip ist die offizielle, standardisierte Version des Portwein-Flips – und damit der direkte Verwandte des Port Wine Flip, über den ich dir weiter oben schon geschrieben habe. Die beiden werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich in der Spezifikation aber deutlich.Der Unterschied zum Port Wine FlipDrei Punkte:Der Porto Flip enthält zusätzlich Brandy.Er verwendet nur das Eigelb, nicht das ganze Ei.Er kommt in der offiziellen Fassung ohne Zucker aus – die Süße stammt allein vom Port.Das Ergebnis ist kräftiger, weniger schaumig und weniger dessertartig als die klassische Flip-Variante mit ganzem Ei und Sirup.Die offizielle RezepturDer Porto Flip ist ein offizieller IBA-Cocktail der International Bartenders Association und dort in die Kategorie The Unforgettables eingeordnet – also zu den Klassikern, die dauerhaft im Kanon geführt werden. Die IBA-Spezifikation lautet:15 ml Brandy45 ml roter Tawny Port10 ml EigelbAlle Zutaten in den Shaker geben, kräftig mit Eis schütteln, in ein gekühltes Cocktailglas abseihen und mit frisch geriebener Muskatnuss bestäuben.Bemerkenswert ist die Vorgabe Tawny statt Ruby: Tawny ist im Fass gereift und bringt Nuss-, Karamell- und Dörrobstnoten mit, die sich mit dem Eigelb und dem Brandy zu etwas fast Sherry-artigem verbinden. Viele Barbücher und Rezeptseiten arbeiten stattdessen mit Ruby Port – der ist fruchtiger, dunkelbeeriger und macht den Drink frischer, aber weniger komplex. Beides funktioniert; die IBA hat sich für die nussige Richtung entschieden.Das Verhältnis lässt sich als 3 : 1 plus Eigelb merken – drei Teile Port auf einen Teil Brandy.Zur HerkunftDer Drink wird auf Jerry Thomas' „The Bar-Tender's Guide" von 1862 zurückgeführt, das erste bedeutende Barbuch überhaupt. Diese Zuschreibung findet sich in mehreren Quellen, darunter Wikipedia – dort allerdings mit dem Hinweis, dass der Artikel besser belegt werden müsste. Ich halte die Datierung für plausibel, weil Thomas' Buch nachweislich eine ganze Reihe von Flips enthält; als gesichert würde ich sie ohne Blick ins Original aber nicht bezeichnen.Zubereitung in der PraxisDie IBA-Anleitung nennt nur einen Schüttelgang. Für eine bessere Textur empfiehlt sich trotzdem der Dry Shake: zuerst ohne Eis schütteln, damit das Eigelb emulgiert, dann mit Eis nachschütteln und kurz und hart durchziehen. Anschließend fein abseihen.Beim Eigelb sind 10 ml etwa ein halbes bis dreiviertel Eigelb – das lässt sich nur schlecht abmessen. In der Praxis nehmen die meisten ein ganzes Eigelb und akzeptieren die etwas dichtere Textur.Die Muskatnuss ist kein Deko-Element: Ihre ätherischen Öle liegen als Duft über dem Glas und sind der erste Eindruck beim Trinken. Frisch gerieben, nicht aus dem Streuer.CharakterDunkel, samtig, mit einer Farbe, die zwischen Mahagoni und Kaffee liegt. Das Eigelb macht den Drink dicht, ohne dass Sahne beteiligt wäre; der Brandy gibt ihm Wärme und Länge, die dem reinen Port-Flip fehlt. Ein klassischer After-Dinner-Drink, der gut zu Schokolade und Nussdesserts passt.Für rohes Eigelb gilt dasselbe wie beim Port Wine Flip: frische Eier, kühl lagern, zügig servieren; pasteurisiertes Eigelb ist die sichere Alternative, schäumt aber schwächer. Für Schwangere, Kleinkinder, ältere und immungeschwächte Menschen werden rohe Eier nicht empfohlen.